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Kaufen bei Amazon.deBei Amazon.de kaufenDemografischer Wandel in Japan und Deutschland: Bevölkerungspolitischer Paradigmenwechsel in der Familienpolitik (Gebundene Ausgabe)

ISBN: 3862050378
ASIN: 3862050378
EAN: 9783862050376
Autor: Holger Rockmann
Erschienen bei: Iudicium
Erscheinungsdatum: 2011-12-09
Preis: EUR 41,00
in Partnerschaft mit Amazon.de

Buchtitel: Demografischer Wandel in Japan und Deutschland. Bevölkerungspolitischer Paradigmenwechsel in der Familienpolitik
Autor: Holger Rockmann
Verlag, Erscheinungsjahr: Iudicium, 2011
ISBN 978-3-86205-037-6

„Demographie ist eine Wissenschaft für Menschen, die sich gern ein bisschen gruseln“, schrieb Felix Barth am 8.12.2009 in der Süddeutschen Zeitung [„Das Märchen von der leeren Wiege. Der Geburtenrückgang in industrialisierten Ländern ist weniger schlimm als gedacht“, SZ (28), S. 16]. Ein Beweggrund könnte folgender sein: „In Zukunft (…), bis 2050 verliert Deutschland bis zu zwölf Millionen Einwohner“ gemäß einer jüngst von Alexander Jung zitierten Schätzung [„Der gespaltene Markt“, in: DER SPIEGEL 7, 13.2.2012, S. 66]. Das zeitigt nicht nur wenig erbauliche Aussichten für den Immobilienmarkt gewisser Regionen. Der Befund des demographischen Wandels stellt eine Herausforderung für „alternde Gesellschaften“ dar. Wobei sich die Frage aufdrängt, inwieweit es sich um eine Problematik mit Zeitablauf handelt, als deren eigentlicher Kern die schrumpfende Gesellschaft erscheint. Wie auch immer. Die beschworene Krise ist jedenfalls ebenso „als Produkt sozialer Konstruktionen zu interpretieren“(S. 304), lässt der Autor der vorliegenden Untersuchung durchblicken. Wie der Geburtenrückgang in Deutschland und Japan aufgefasst, wie und unter welchen verwandelten politischen Rahmenbedingungen ihm gegengesteuert wird, ist Gegenstand dieser Arbeit, die 2011 als Dissertation approbiert worden ist. Der Nachweis eines faktischen Paradigmenwechsel in den Politiken der beiden Länder anhand eines adaptierten theoretischen Modells von Peter Hall, steht dabei im Zentrum. Für einen größeren, über das akademische Fachkollegium hinausgehenden Leserkreis, sind die aufgezeigten Maßnahmen in ihrer zeitlichen Abfolge und deren Folgewirkungen von Interesse. Zu bedenken bleibt freilich, dass Politik in Japan grundsätzlich anders „funktioniert“ als in europäischen Ländern (vgl. S. 199 ff.). Aufgrund der belasteten Vergangenheit Japans und Deutschlands war eine sogenannte pronatalistische Politik nach 1945 nicht gut angeschrieben. Bis tief in die Ära des Wirtschaftswachstums galt in Japan Auswirkungen möglicher Überbevölkerung gewärtigen zu müssen als das bedrohlichere Szenario. Der massive Geburtenrückgang wurde von weiten Kreisen des öffentlichen Lebens erst mit dem Schock von 1990 zur Kenntnis genommen. Die Bevölkerungsstatistik lieferte alarmierende Zahlen. Da Japan de facto ein Nicht-Einwanderungsland ist, konnte die Politik nur bei Maßnahmen zur Förderung von Kinderbetreuungseinrichtungen und solchen Rahmenbedingungen ansetzen, die es Frauen im Speziellen und jungen Familien im Allgemeinen erleichtern, den Anforderungen des Berufslebens, sowie den Ansprüchen der persönlichen Entfaltung gleichermaßen gerecht zu werden. Dass die Problemlage der Politik subtiles Vorgehen abnötigt, erweist sich vergleichsweise auch in Deutschland. Nach Patentrezepten kann auch hier nicht gekocht werden. Aber deutsche Immigrationspolitik pauschal als gescheitert zu betrachten, wie es ein ehemaliger Berliner Senator tat, oder es der Integration der zugewanderten Türken solcherart zu bescheinigen, wie es der Autor anführt (S. 33 u. Conclusio S. 306), darf hinterfragt werden. Angesichts des Umstands, dass „ein knappes Fünftel der hier lebenden Menschen (…) einen Migrationshintergrund“(S. 308) besitzt, scheint die deutsche Gesellschaft dennoch eine recht stabile. Der im Anhang zu Wort kommende Bevölkerungswissenschaftler und Soziologe Atoh Makoto meint auch eine gewisse Erleichterung darüber ausmachen zu können, was den Rückgang der Bevölkerungsdichte in Japan betrifft (S. 315).
Die Besorgnis über den Geburtenrückgang und dessen Auswirkungen in Frage gestellt haben in den letzten Jahren etwa Joshua Goldstein [„The End of Lowest-Low Fertility?“, Population and Development Review, 2009] oder Peter Gross in der Neuen Zürcher [„Gewonnene Solidarität zwischen den Generationen. Die unterschätzten Vorteile einer Gesellschaft mit weniger Kindern“, NZZ (177), 4.8.2009, S. 22].
Von Relevanz bleibt die Thematik allemal. Die Arbeit von Holger Rockmann ist dazu ein interessanter Begleiter.

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