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Buchtitel: Reise nach Japan. Kulturkompass fürs Handgepäck
Herausgeberin: Françoise Hauser
Verlag, Erscheinungsjahr: Unionsverlag, 2009
ISBN 978-3-293-20469-0

Man könnte grundsätzlich die Frage aufwerfen, wozu sich auf eine Reise vorbereiten, von der man ohnehin wieder zurückzukehren die Absicht hegt? Das heißt, wenn die Reise, das Reisen, im Mittelpunkt stehen soll, mithin das eigene Erleben und das Sammelsurium an Erfahrungen, das man unzweifelhaft machen wird, ist alles andere als sich sprachlich vorzubereiten eine leidliche Praxis. Ansonsten nimmt man die von anderen vorbereitete Meinung als vorgefasste mit ins Gepäck, den fremden Eindruck und die getönte Brille. Freilich könnte ein bisschen Hintergrundwissen dazu verhelfen, sich nicht als der dämlichste Simpel zu gebärden, inmitten fremder Länder Sitten & Gebräuche. Es gibt also ein Für und Wider, ob man zu einem Vademekum, der Verhaltensregeln wegen, oder gar zu einem Quodlibet, dem Kompendium für alles Mögliche, greift. Zuletzt, das sei auch nicht verschwiegen, gibt es noch die Reiseliteratur für alle, die gar nicht verreisen. Zumindest nicht physisch.
Dieses Bändchen aus dem Unionsverlag – in ähnlicher Begleitung kann man sich beispielsweise auch nach Hongkong oder ins Tessin begeben – versammelt unter der Herausgeberschaft einer Ostasienexpertin einen bunten Strauß an Momentaufnahmen, die ursprünglich schon einmal in anderen Büchern oder Zeitschriften erschienen sind. Da liest man das eine oder andere gerne wieder, wird von noch nicht Gekanntem überrascht oder teilt so manche Einschätzung, trotz ihrer abermaligen Verabreichung, weiterhin nicht. Die These, wonach sich in der Struktur der japanischen Firmenwelt der Geist der bushi manifestierte, scheint mir schon des längeren einen Bart (einen umgehängten) zu haben (S. 36 ff.). Aber mit der Herausgeberin in ein onsen begibt man sich gern (S. 988 ff.), Cees Noteboom überfrachtet einen ausnahmsweise einmal nicht mit seiner Belesenheit (oder Geschwätzigkeit, was bei dem Mann so ziemlich in eins fällt)(S. 102 ff.). Einen kurzen Ausflug in die Geschichte des Tätowierens unternimmt Wolfgang Herbert (S. 139 ff.), indes die Sache mit der Nierenschädigung völlig unerwähnt bleibt (was nach Jake Adelstein die Größen der Yakuza in einen regelrechten Transplantations-Tourismus treibt), Uwe Schmitt erinnert an das große Kantō-Erdbeben und löblicherweise auch daran, dass nicht allein die Naturgewalt, sondern ein ebenso entfesselter Mob eine Unzahl an Menschenleben forderte (S. 150 ff.). Die Aktualität des Beitrages von Kazuyuki Kitamura zum Verhältnis der Geschlechter (S. 157 ff.) darf hinterfragt werden (die Belege stammen durchwegs aus den 1980er Jahren), wenngleich folgender Bemerkung zeitlose Ironie durchaus nicht abzusprechen ist: „Man könnte den japanischen Ehemann (…) mit einem Rennpferd vergleichen, dessen Trainer die Ehefrau ist.“(S. 161)
Die ama von Iki besuchte Anke Lübbert (S. 172 ff.), deren Seelenverwandte bekanntlich die haenyeo von Cheju-do sind und wie diese mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen haben. Eine Welt, von der man als Mann bis auf den Verzehr der Meeresfrüchte ausgeschlossen bleibt.

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