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Von der Eleganz der Schlichtheit

Kaufen bei Amazon.deBei Amazon.de kaufenFaszination Keramik: Moderne japanische Meisterwerke in Ton aus der Sammlung Gisela Freudenberg (Gebundene Ausgabe)

ISBN: 3879098557
ASIN: 3879098557
EAN: 9783879098552
Erschienen bei: Wienand
Erscheinungsdatum: 2005-04
Preis: EUR 69,80
in Partnerschaft mit Amazon.de

Buchtitel: Faszination Keramik / The Fascination of Ceramics. Moderne japanische Meisterwerke in Ton aus der Sammlung Gisela Freudenberg
Herausgeber: Stephan von der Schulenburg [zweisprachige Ausgabe, dt., engl.]
Verlag, Erscheinungsjahr: Wienand, 2005
ISBN 3-87909-855-7

Es gibt Bücher, die gibt man gar nicht mehr so gern aus der Hand. Das vorliegende ist ein solches. Es versammelt Abbildungen von japanischen Keramikkunstwerken der Showa-Zeit, die auf Ausstellungen in Frankfurt am Main und zuletzt in Genf zu bewundern waren. Der Rezensent des Kataloges in der Neuen Zürcher Zeitung meinte, die Sache wäre lediglich mit einem einzigen Fehler behaftet: Man könnte die darin abgebildeten Objekte leider nicht in die Hand nehmen. Wer die Ausstellungen versäumt hat, kann sich trösten: Auch dort durfte man die Schalen, Tassen, Wassergefäße, Teekannen und Vasen nicht berühren. Was zwar nicht im Sinne der Erfinder, aber im Sinne der Sammlerin (Gisela Freudenberg) ist, die sich an ihren wertvollen Stücken verständlicherweise auch noch über den Zeitrahmen einer Ausstellung hinaus erfreuen möchte. Um den haptischen Eindruck wird man als Betrachter so natürlich geprellt. Das ist mit ein Grund, warum ich um Ausstellungen von Objekten im allgemeinen einen großen Bogen mache. Weil man eben Dinge, die man angreifen können müsste, um sie vollständig zu begreifen, nicht angreifen darf. [Ein letztklassiger Wiener Museumsdirektor, der vor versammelter Presse das Cellini-Salzfass Saliera mit seinen bloßen Wurstfingern betatscht, ist klarerweise auch nicht ganz stilecht und verdiente einige auf die Pratzen!]
Die Wiederbesinnung auf traditionelle Gestaltungs- wie Herstellungsformen durch die so genannte mingei-Bewegung [mingei = Volkskunst] unter ihrem wichtigsten Einflussgeber Yanagi Sôetsu, hat mit dazu beigetragen, die Entwicklungen in der japanischen Keramikkunst zu den weltweit maßgeblichsten überhaupt zu machen. So gehört etwa Hamada Shôji zu den bedeutendsten Künstlern seiner Art.
In Japan gibt es seit 1956 die Institution der “Lebenden Nationalschätze” (ningen kokuhô), mit der nicht nur besonders verdiente Gestalten geehrt, sondern dieselben gleichsam zu einer Hege und Weitergabe ihres Könnens verpflichtet werden. Dazu zählen der bereits erwähnte Hamada, der eine gewisse Zeit in Großbritannien verbrachte, aber auch Kapazunder wie Shimizu Uichi oder Tamura Kôichi. Besonders beeindrucken mich die Arbeiten von Isezaki Jun, Takahashi Shunsai, Tanimoto Kei, Ueda Naokata oder Kishimoto Kennin. Letzterem gelingt es Objekte zu gestalten, die sich gleichsam wie von selbst gewirkt ausnehmen. Dennoch sind sowohl ihre schlichten Formen, als auch die Stufen des Herstellungsverfahrens wohl durchdacht. Die Arten des Brandes, zuweilen in der Tradition der “Sechs Alten Öfen”, der Auftrag der Glasur und ihr spezifischer Schmelz verleihen den Gerätschaften (gedacht zur Bereitung des Tees, Aufbewahrung des Wassers usw.) ihre unverwechselbare Charakteristik.
Eine große, runde Platte von Ôtani Shirô aus dem Jahre 1987 (abgebildet auf Seite 170), wirkt auf den ersten Blick wie ein bizarr versteinerter Pizzafladen. Tatsächlich handelt es sich um Steinzeug, dessen subtile Verfärbung in hellen Rottönen durch den speziellen Brand und der natürlichen Ascheanflugglasur entstanden ist.
Zu den interessantesten Kunstwerken der Sammlung gehört wahrscheinlich die so bezeichnete “Sandbibel” von Araki Takako aus dem Jahr 1982 (vgl. S. 194): Eine Zusammenfügung von Ton, Sand, Papier und Druckerschwärze, die Seiten des Lukas-Evangeliums abbildend, zu einer reichlich fragilen Keramikmasse mit rieselnden Sandkörnern gebrannt.
Die internationale Keramik- und Porzellankunstszene kennt viele Frauen. [In Österreich etwa Martina Zwölfer und Gundi Dietz.] Warum die in der japanischen Szene (beinahe) fehlen, mag vielleicht in der schon immer männlich besetzten Tradition seine Begründung finden. (Dessen sicher bin ich mir allerdings nicht.)
Kurzbiographien der Künstler, ein Glossar, das die japanischen Fachbegriffe erläutert, sowie ein Literaturanhang beschließen den Katalog. Für Kenner ostasiatischer Kunstfertigkeit ein unerlässliches Kompendium.

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