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Buchtitel: Infinity Net. The Autobiography of Yayoi Kusama
Autorin: Kusama, Yayoi [Aus dem Japanischen übertragen von Ralph McCarthy]
Verlag, Erscheinungsjahr: Tate Publishing, 2018
ISBN 978-1-84976-213-7

Die Frage nach der einflussreichsten japanischen Künstlerin des 20. Jahrhunderts mag mancher Schmock einsilbig beantworten und auf jene berühmte Witwe verweisen, die auch noch als Zerwürfnisgrund einer Band aus Liverpool herhalten muss. Arme Frau!
Wenn dieser Tage Isozaki Arata, der japanische Architekt, verdienterweise den Pritzker-Preis entgegennehmen darf, kann auf eine Gemeinsamkeit mit der eben noch nicht Erwähnten verwiesen werden: auch Kusama Yayoi war es gegönnt gewesen den japanischen Pavillon anlässlich der Biennale in Venedig (1993) zu bespielen (und im Gegensatz zu Isozaki allein). Kusama schaffte es sogar zweimal in der Lagunenstadt zu reüssieren, wobei ihr Debüt 1966 ein unaufgefordertes darstellte. Wer ist also diese Frau, die die Pop Art maßgeblich beeinflusste, Happening und Performance Art prägte, eine unermüdliche Gestalterin und – durchaus auch – eine durch Auszeichnungen gewürdigte Poetin ist? Der seit 2017 in Tokio in Shinjuku, in unmittelbarer Nähe ihres Aufenthaltsortes (einer Nervenklinik), ein eigenes Museum zur Verfügung steht, ein „bläulich-weißer Turm mit abgerundeten Ecken“(Christoph Neidhart)?
Zur Welt kommt die Künstlerin 1929 in Matsumoto in der Präfektur Nagano als jüngstes Kind einer sechsköpfigen Familie. Die Beziehung der Eltern – eine problematische, die die Promiskuität im Mannesstamm und die leidende Duldsamkeit der Ehefrau tradiert. Gleichwohl die Mutter als Kalligraphin wirkt, begegnet sie der künstlerischen Ambition der Tochter mit Unverständnis, ja geradezu mit Ablehnung. In Kioto an einer Akademie in Nihonga geschult, lernt Kusama Yayoi vor allem die Beengtheit eines vorgegebenen künstlerischen Ausdrucks zurückzuweisen. Schließlich erfolgt der Aufbruch/Ausbruch nach New York und der Zuspruch durch eine der Großen ihrer Zeit: Georgia O’Keeffe. Als bestätigte sich die Liedzeile in dem Sinatra-Song über den Big Apple, dass, wer es in New York schafft, es überall schaffen würde, gelangt Kusama zu Ausstellungen allenthalben in der Welt. Bis auf Japan. Wo sich zum Unverständnis noch Diffamierung hinzugesellt. Die Avantgarde-Kunst geht zunächst am Land der aufgehenden Sonne vorbei (so die etwas pauschalierende Einschätzung Kusamas), der Wirtschaftsboom wird von keinem Aufbruch gesellschaftspolitischer oder weltanschaulicher Natur begleitet.
Kusama schildert ihren Werdegang in lapidarem, ungekränktem Tonfall, der vor allem der Selbstbeweihräucherung ermangelt. Als die Veilchen im elterlichen Garten mit ihr zu sprechen ansetzten und auch der Hund mit ihr Konversation hielt, fand sie zu Akten der Kompensation in der Kunst, die sie davor bewahrten tatsächlich irre zu werden. Zahlreiche Freundschaften, Weggefährten werden angeführt und eingehend die sie einerseits beflügelnde, andererseits belastende Beziehung zu dem Künstler Joseph Cornell geschildert.
Ihre Markenzeichen? Tupfen, Spiegelungen, unendliche Netze. Wer eines von Kusamas Kunstwerken wahrnimmt, nimmt es als etwas Unvergleichliches wahr. Ebenso ein Alleinstellungsmerkmal scheint ihre unerschöpfliche Schaffenskraft.

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