Japanischer Thronfolger

Japanische Medien überstürzten sich am Mittwoch (06.09.2006) mit der Meldung, Prinzessin Kiko sei in einer Privatklinik in Tokio von einem Buben entbunden worden. Mutter und Sohn wären wohlauf. Damit steht der ältesten Monarchie der Welt wieder ein Thronfolger zur Verfügung (der, wie allenthalben, wohl gar nicht gefragt wird, ob er diese Bürde auf sich nehmen oder doch lieber Kondukteur im Shinkanzen werden möchte). Nach der japanischen Verfassung von 1947 ist es nämlich so eingerichtet, dass lediglich ein Mann Kaiser werden darf. Gleichwohl es in der japanischen Geschichte auch Kaiserinnen gegeben hat (zuletzt 1762 bis 1771). Eine Modifizierung der konstitutionellen Bestimmungen war zuletzt sehr vorsichtig angedacht worden, um Kronprinzessin Masakos Tochter Aiko dereinst diese Möglichkeit zu gewähren. Die Diskussion darüber dürfte zumindest vorläufig vom Tisch sein. [Auf lange Sicht ist die Einräumung der Kaiserinnenwürde die einzige realistische Option die Tradition des japanischen Kaiserhauses zu erhalten, nachdem bereits der Shōwa-Kaiser Konkubinate als nicht mehr zeitgemäß erkannt hat. Warum die Hardliner unter den Traditionalisten mit Frauen am Chrysanthemen-Thron ihre Schwierigkeit haben, ist für Außenstehende schwer nachzuvollziehen, kam Frauen doch in der älteren Geschichte Japans eine wesentlich bedeutendere Rolle zu als gemeinhin dargestellt!]
Der nun geborene Sohn von Prinzessin Kiko und ihrem Gatten Prinz Akishino, die bereits die beiden Töchter Kako und Mako haben, rangiert in der Thronfolge an dritter Stelle, nach seinem Onkel Kronprinz Naruhito und seinem Vater Akishino.
Beobachter rätseln, ob nun der belastende Druck von Kronprinzessin Masako, einem männlichen Thronfolger das Leben zu schenken, genommen ist. Bekanntlich leidet die sympathische Prinzessin sehr unter den Erwartungen der Öffentlichkeit.
Dieser mitunter nicht sehr taktvoll (a)gierenden Öffentlichkeit ein Schnippchen geschlagen zu haben, darf wohl die ehemalige Prinzessin Sayako für sich verbuchen, die im Vorjahr den Bürgerlichen, als Stadtplaner in der Tokioter Verwaltung tätigen, Yoshiki Kuroda geehelicht hat. Auf einer Pressekonferenz gaben sich die beiden Eheleute auch für japanische Verhältnisse überaus ausgelassen und quietschvergnügt.

Quellen:

Japan jubelt über Thronfolger. Süddeutsche Zeitung, Online-Ausgabe vom 06.09.2006
Freude in Japans Kaiserhaus: Prinzessin Kiko bringt einen Sohn zur Welt. Neue Zürcher Zeitung. NZZ Online, 06.09.2006
A prince is born. The Asahi Shimbun, Online-Ausgabe vom 06.09.2006
Princess Kiko gives birth to a boy [Akemi Nakamura], The Japan Times, Online-Ausgabe vom 06.09.2006 (datiert: Tuesday 07.09.2006)

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