Episoden aus dem Leben von Natsume Sōseki



Buchtitel: Hinter der Glastür
Autor: Natsume Sōseki. Aus dem Japanischen von Christoph Langemann
Verlag, Erscheinungsjahr: Angkor, 2011
ISBN 978-3-936018-80-6

Garasudo no uchi, eines der letzten Werke des japanischen Autors, der 1916 verschied, wird als ein untypisches aus seinem Œuvre eingeführt. Steht im Mittelpunkt doch ganz die Perspektive des Schreibenden. Das vermeintliche Sammelsurium an Betrachtungen verdichtet sich jedoch zu einem Erinnerungsreigen, in welchem die Namen gebende Glastür, durch welche die Blicke nach außen wie nach innen schweifen, ein verbindendes Element bildet. Das Ganze ist in einem unangestrengten, zuweilen recht launigen Plauderton gehalten, was dem Erzählen von Anekdoten durchaus gerecht wird. Tatsächlich sind die Texte zunächst in einer regelmäßigen Kolumne der Tageszeitung Asahi Shimbun erschienen. Man erfährt von Natsumes Weggefährten, Zeitgenossen und merkwürdigen Gesellen, Selbstzweifeln und Widersprüchen. Davon, dass die japanische Höflichkeit auch an ihre Grenzen stoßen kann, wenn Penetranz sie heimsucht. Oder, dass Natsumes ältere Schwestern Anno Tobak beinahe eine Weltreise zu bewältigen hatten, um in Tokio ins Theater und danach wieder nach Hause zu kommen. Im kenntnisreichen Nachwort des Übersetzers Christoph Langemann heißt es: „Diesen Texten liegt auf dem Hintergrund einer tiefen Melancholie ein leicht ironischer, um nicht zu sagen sarkastischer Ton zugrunde, der für Japan äußerst selten ist.“(S. 134) Was beispielsweise erhellt, als der Autor, der wiederholt von Krankheiten gepeinigt wird, über sich befindet: „(…) dieser alte Trümmerhaufen, den ich als mich selbst bezeichne (..)“(S. 69).
Ein weiteres empfehlenswertes Buch aus der Reihe „Edition Nippon“ des Verlages.

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