Eine „authentische“ Butterfly



Buchtitel: Miura Tamaki. Eine japanische Butterfly
Autor: Ralf Eisinger
Verlag, Erscheinungsjahr: Iudicium, 2020
ISBN 978-3-86205-669-9

Dieses schmale Kompendium erscheint als OAG Taschenbuch, der in Tokyo residierenden Deutschen Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens. Aficionados ist der Handlungsverlauf der Puccini-Oper „Madama Butterfly“ gewiss, die Japanerin Miura Tamaki hingegen als eine auf die weibliche Hauptrolle abonnierte Interpretin womöglich nur ausgewiesenen Kennern geläufig. Ralf Eisinger stellt uns mit ihr eine Persönlichkeit vor, die als Kind ihrer Zeit zu bezeichnen eine Plattitüde bemühte, die ihr nicht gerecht würde. Zumal sie sich der kolportierten Klischeevorstellungen über Land und Geschlechterverhältnisse Japans im Westen durchaus bewusst war und diesen in ihrem privaten Werdegang so gar nicht zu entsprechen sich herausnahm. Was ihr in der heimischen Presse mitunter sehr kritische Aufmerksamkeit zutrug. Zum anderen fällt ihr Wirken in eine Zeit, da Japan um seine Rolle im Kreis der Nationen zu ringen hatte. Und schließlich muss auch noch bedacht werden, dass die Zeitläufte welche waren, die an einer rassistischen Segregation festhielten, die aufzubrechen das Jahrhundert und seine Protagonistinnen noch beschäftigen sollten. Dabei ist zwischen den Zeilen der recht kurzweiligen Abhandlung durchaus ein Wink an die Gegenwart herauszulesen, die Frage nämlich, ob wir Zustände leben, in der es definitiv wurscht ist, welchen Herkommens eine interpretierende Künstlerin, ein produktiver Künstler, kurz: ein Er oder eine Sie ist, der/die Beiträge von gesellschaftsgestaltender Relevanz einbringt. Die aktuellen Diskussionen über „kulturelle Aneignung“ und ihre bisweilen skurrilen Auswüchse zeigen, dass uns Nachgeborenen keineswegs in die Wiege gelegt ist, das Zusammenwirken der Verschiedenen in bunter Gesellschaft für alle Beteiligten erfüllend zu gestalten. Dass es Miura Tamaki nicht gegönnt war, nach internationaler Karriere nach Japan zurückkehrend, ihr Land nach der Niederlage in den Wiederaufstieg zu begleiten, fügt ihrem selbstbewussten Lebensentwurf eine Nuance Bitterkeit an. Allein die verzaubernde Kraft der Musik weiß es zu verhindern, dass die Schlussakkorde in Moll ausklingen.

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