Reflexionen über Japan



Buchtitel: Japan. Inselreich in Bewegung
Autorin: Judith Brandner
Verlag, Erscheinungsjahr: Residenz Verlag 2019
ISBN 978-3-7017-3489-4

Ein Lebensthema: Japan. Die ausgewiesene Journalistin Judith Brandner – die, wie Gartenfachexperte Karl Ploberger jüngst im österreichischen Fernsehen präsentierte, auch in ihrer privaten Gartenidylle einen Hauch Nippon kultiviert – legt ein weiteres Buch über Japan vor. Und wieder ist es recht kurzweilig zu lesen. Wenngleich einen schon die ersten Beiträge nachdenklich stimmen. Da geht es einmal um den Wandel in der japanischen Arbeitswelt – zwei Drittel aller Erwerbstätigen gelten heute als atypisch beschäftigt – und die damit verbundenen fatalen Effekte: die zunehmende Anzahl der Working Poor und die wachsende Kinderarmut. Und natürlich bleibt Fukushima ein virulentes Thema. Man unterschätzt hierzulande die Auswirkungen auf die persönlichen Lebensverhältnisse. Bedrückend auch Brandners Recherche über die Arbeitsbedingungen der AKW-Arbeiter. In nahezu undurchschaubaren hierarchischen Verästelungen aus Sub- und Sub-Sub-Firmen beißen die zuunterst Agierenden die Hunde. Darüber, dass die sogenannte friedliche Nutzung der Atomkraft Schattenseiten zeitigt, die eine nationalistische, vergangenheitsrevisionistische Politik von eigener nuklearer Bewaffnung Wahnvorstellungen halluzinieren lässt, wird in einem weiteren Buchabschnitt reflektiert.
Frau Brandner besucht Bio-Bauern, die in der riesigen Calderda des Vulkans Aso, in der Präfektur Kumamoto, ihre Felder bestellen. Eine Region, die unter Landflucht und der Überalterung der Bleibenden leidet. Sie wird Zeugin der Proteste auf Okinawa gegen die Verlegung des Militärstützpunktes Futenma in die Bucht von Henoko und besucht die Burg Shuri – im Grunde deren Nachbau nach den verheerenden Kriegszerstörungen – bevor die, wie aus den Weltnachrichten zu erfahren war, im Oktober 2019 einer Brandkatastrophe zum Opfer fiel.
Der Befassung mit dem Andenken an Katō Shūichi, einem Weltgeist, Homme de Lettres und Universalgelehrten, gehört ein weiterer Beitrag. Schließlich die Geschichte einer deutsch-österreichischen Familie, die in Ostasien Karriere machte. Ein Angehöriger bringt nach dem Zweiten Weltkrieg das österreichische L/D-Verfahren zur Stahlverhüttung nach Japan und eine speziell für Hokkaidō gezogene Zuckerrübe.
Eine durchwachsene Würdigung der Ära Heisei beschließt das Buch.

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