Wie man guten Kaffee bereitet



Buchtitel: Zwei Espresso
Autorin, Zeichnerin: Kan Takahama. Aus dem Japanischen von Yuki Kowalsky
Verlag, Erscheinungsjahr: Carlsen, 2016
ISBN 978-3-551-71450-3

Eines vorweg: Wer sich möglicherweise am Titel dieser graphic novel stößt, sei auf den Schluss der Besprechung verwiesen!
Ein guter Comic illustriert eine Geschichte, die auch in Prosa ausgeführt, bestechen würde? Mitnichten. Mag es auch reizvoll erscheinen, sich Prousts Recherche oder gar eine Thomas Bernhard-Suada als Bildergeschichte reinzuziehen, so ist die Sache doch selten mehr als ein Surrogat des Originals, um nicht zu sagen: Abklatsch. Das, was Sprache evoziert, in eine Entsprechung von Zeichnungen übertragen zu wollen, gliche dem Bemühen, Musik in Farbe zu verwandeln, ohne dass einen synästhetisches Empfinden eignete. Comic ist ein eigenständiges Medium und diesen Aspekt wissen herausragende Comic-Autorinnen und -Autoren, respektive Zeichnerinnen und Zeichner als Vorteil einzusetzen. Überraschende Wendungen der Handlung, pfiffige Volten, lassen sich in Prosa auf andere Weise überzeugend schlagen als auf einem Tableau aufeinanderfolgender Panels. Okay, eine Plattitüde.
Die von Frau Takahama – gemäß Klappentext darf sie der jungen Zeichner-Avantgarde Japans zugerechnet werden – hier geschilderte Geschichte fesselt so wie sie daherkommt, mit einer Leichtfüßigkeit und Entspanntheit, trotz des aufwühlenden Themas: Ein leicht angeranzter Comiczeichner aus Paris begibt sich in ein Kuhdorf in der japanischen Präfektur Aichi, um die flüchtige Liebe seines Lebens wiederzutreffen. Er strandet in einem versifften Café, in dem der rührige Betreiber eine Plörre von niederschmetternder Grauslichkeit kredenzt. Es beansprucht Zeit, und ein gewisses Maß an Hartgesottenheit, bis es Benjamin gelingt Michihiko darin zu unterweisen anstatt Muckefuck mit Zusatzstoffen wirklich guten Kaffee zu brauen. Nebenbei erfährt man von Ratschlägen wie man mit einem yakudoshi, einem Unglücksjahr, am besten verfährt. Was ein Pech aber auch, dass eines Menschen Lebensverlauf gespickt scheint mit solchen Jahren, in denen nicht alles rund läuft.
Ein Seiten überspannendes Panel im zweiten Kapitel gibt den Titel der Geschichte sprachlich korrekt wieder: 2 Espressos. Das Impressum erheitert mit: 2 Expressos. Der Fremdwörterduden räumt natürlich auch die Pluralform „Espressi“ ein. Wurscht! Eine tolle, zu Herzen gehende Geschichte. Volle Empfehlung!

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