Lebensgefährliche Liebschaft



Buchtitel: Das Casting. Roman
Autor: Ryū Murakami. Aus dem Japanischen von Leopold Federmair und Motoko Yajin
Verlag, Erscheinungsjahr: Septime, 2013
ISBN: 978-3-902711-15-1

Man erinnert sich an die Verfilmung des Stoffes durch Miike Takashi, der es 1999 tatsächlich etwas subtiler angegangen war als in sonstigen Trashprodukten unter seiner Regie. Woran es liegt, dass die Romanvorlage, Ōdishon erschien in Japan 1997, nicht bereits früher ins Deutsche übertragen wurde? Vielleicht eben am Film, den anzusehen einem bescherte, sich in die Ecke wo die Freaks sich treffen zu gesellen.
In der Übersetzung von Leopold Federmair und Motoko Yajin trifft man jedenfalls auf einen fesselnden, sich subtil in den Wahnsinn windenden Stoff. Die Sprache schillert keinerlei Pop-Allüren, der sachlich-gedämpfte Erzählton mit allenfalls beiläufigen Andeutungen einer bevorstehenden Eskalation ist dem seriösen Charakter des verwitweten Protagonisten nachempfunden. Yamasaki Asami tritt ebenso zurückhaltend in Erscheinung, sodass die Berückung Aoyamas, die ihn mit rätselhafter Rasanz vollständig einnimmt, glaubwürdig bleibt. Als einziger Schwachpunkt ließe sich die Herleitung der Traumatisierung des mädchenhaften Vamps anführen, die das Geheimnis ihrer bizarren Veranlagung eher ruiniert als enträtselt. Wesentlich unangenehmer bleiben einem jene Untaten im Gedächtnis, die sich nicht erklären, auch wenn man sich noch so sehr an der Klaviatur der psychologischen Deutungen versucht. Möglicherweise bleibt das aber auch den Vorgaben einer gewissen Dramaturgie geschuldet. Das Ende ist freilich das gleiche lapidare wie in der Verfilmung.
Dennoch: Lektüre, die einfährt.

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