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Takeshima-Konflikt vorerst auf Eis

Eine heraufziehende Auseinandersetzung zwischen Japan und der Republik Korea um eine Felsengruppe im Japanischen Meer (japanische Bezeichnung) oder der Ostsee (koreanische Namensgebung), konnte am Wochenende vorerst abgewendet werden.
Der japanische Vizeaußenminister Shotaro Yachi besprach sich während einer 10-stündigen Konferenz (The Asahi Shimbun) oder 24-stündigen Unterredung (The Korea Herald) in Seoul mit seinem koreanischen Amtskollegen Yu Myung Hwan. Das Ergebnis: Japan wird vorerst keine Forschungsschiffe zur Kartierung des Seebodens in die Region entsenden. Korea seinerseits wird es unterlassen, eine Umbenennung der Topographien auf einer für Juni in Deutschland angesetzten internationalen Konferenz der Geographen zu lancieren.
Beide Seiten gaben sich am Samstag erleichtert, eine Eskalation des Konflikts abgewendet zu haben. Es wurde zudem vereinbart, im Mai Verhandlungen auf Regierungsebene zu beginnen, die eine genaue Abgrenzung der japanischen und koreanischen Sonderwirtschaftszonen in der Region festlegen helfen sollen.
Mit der Normalisierung der Beziehungen zwischen Japan und Südkorea in den 1960er Jahren, geriet der Interessenkonflikt beider Staaten um Takeshima / Dokdo zum Gegenstand bilateraler Konsultationen. Indes blieben auch die letzten, diesbezüglichen Verhandlungen im Juni 2000 ohne fruchtbares Ergebnis.
Auswärtige Beobachter, die sich darüber verwundern, dass die Angelegenheit nicht schon längst internationalen Schiedsgerichten zur Klärung vorgelegt worden ist, unterschätzen in welchem Ausmaß Korea im 20. Jahrhundert schlechte Erfahrungen mit derartigen Instanzen gesammelt hat. Es ist daher weniger motiviert diese anzurufen als es vielleicht Japan wäre.
Kommentatoren japanischer Medien mahnen dieser Tage auch eine Deeskalation der Worte ein. Äußerungen des südkoreanischen Staatspräsidenten Roh Moo Hyun, Japan gebärde sich als Kolonialherr, müssten als ebenso entbehrlich bezeichnet werden wie eine verletzende Behauptung des japanischen Außenministers Taro Aso, das Verbot koreanischer Namen während der Besatzungszeit betreffend. Eine genaue Erhebung der topographischen Gegebenheiten sollte im gegenseitigen Austausch oder besser gleich gemeinsam gestartet werden.
Verschiedentlich wurde der Hoffnung Ausdruck verliehen, die Gesprächssituation zwischen beiden Staaten könnte sich in der Ära nach Koizumi nur noch verbessern. Die jüngst nominierte koreanische Ministerpräsidentin Han Myung-sook hat zum Stand der koreanisch-japanischen Beziehungen in ihrem neuen Amt noch nicht Stellung genommen. Man darf aber davon ausgehen, dass sie sich auch darin jener Bedachtsamkeit befleißigen wird, die ihr schon bislang eignete und ihrem Agieren die verdiente Anerkennung einbrachte. [Die Befugnisse eines Ministerpräsidenten der Republik Korea sind freilich nicht mit jenen seines japanischen Amtskollegen deckungsgleich.]
Angesichts des stetig wachsenden, fruchtbaren Austausches zwischen beiden Ländern nimmt sich der Grenzkonflikt anachronistisch aus. Japanische Kulturprodukte (Mangas, Popmusik, Filme) erfreuen sich in Korea seit Aufhebung des Importverbots großer Beliebtheit. Japanische Firmen (zuletzt Sony) investieren in Korea oder bilden mit koreanischen Pendants Joint Ventures. Koreanische Unterhaltungselektronik braucht den Vergleich mit japanischer nicht zu scheuen und erkennt längst die Möglichkeiten des japanischen Marktes. Koreanische Popmusik findet begeisterte Hörer auch in Japan und koreanische Filme überzeugen ebenso ein japanisches wie einheimisches Publikum [Kim Ki-duks Film “Samaria” etwa, um den in Korea eine leidenschaftliche Diskussion entflammte, könnte genauso gut in Japan handeln.]
Es ist nicht ersichtlich, wer, außer ein paar Verrückten, an einer Prolongierung der Auseinandersetzungen zwischen Japan und Korea ernsthaft interessiert sein könnte.

[Nicht näher genannte chinesische Medien, die am 25.04.2006 vom ‘Korean Herald’ zitiert werden, vertreten die Meinung, die vorläufig erzielten Vereinbarungen gingen weniger zu Lasten Japans, das lediglich seine Forschungsschiffe zurückpfeift. Korea allerdings zieht sein Vorhaben (vorläufig) zurück, anlässlich einer internationalen Konferenz darauf zu drängen, die gängigen japanischen Benennungen durch koreanische zu ersetzen.]

Quellen:
Korea-Japan EEZ treaty looks dim [Kim Ji-hyun], The Korea Herald, 25.04.2006
Burgfrieden zwischen Japan und Korea. Entschärfung des Grenzstreits um eine unbewohnte Inselgruppe (Thomas Fuster), Neue Zürcher Zeitung, 24.04.2006
Takeshima deal only scratches surface, The Asahi Shimbun, 24.04.2006
Takeshima flap defused, The Asahi Shimbun, 24.04.2006
Korea, Japan strike shaky deal on Dokdo row (Kim Ji-hyun), The Korea Herald, 24.04.2006
Dunkle Wolken zwischen Japan und Korea. Neu entfachter Grenzkonflikt um eine unbewohnte Inselgruppe (Thomas Fuster), Neue Zürcher Zeitung, 22.04.2006
Die Vernunft der Namen. Die koreanische “Ostsee” und das “Japanische Meer” (Florian Coulmas), Neue Zürcher Zeitung, 15.10.2005
Dokdo oder Takeshima. Recht und Geschichte in der Strasse von Korea, Neue Zürcher Zeitung, 02.04.2005

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