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Bärenattacken

Eine noch größere Faszination als die riesengroßen Metropolen übt auf mich Japans Natur aus. Abgesehen von etlichen Fabelwesen, denen nicht zu begegnen kein wirkliches Malheur darstellt (wer wollte denn in Norwegen ernstlich mit einem Troll zusammentreffen oder auf Island in einen Elfenreigen platzen?), erwartet den Interessierten eine überaus vielfältige Tier- und Pflanzenwelt. Wer weiß schon, dass der Welt größter Salamander in Japan endemisch in entlegenen Hochgebirgsquelltöpfen badet und an Kamerascheu sogar Jerome D. Salinger oder Thomas Pynchon in den Schatten stellt? Dass es in Japan von Bären geradezu wimmelt, habe ich, offen gestanden, auch nicht gewusst. Die englische Ausgabe der Asahi Shimbun vom Tage (31.10.2006) berichtet, dass seit April des heurigen Jahres in ganz Japan 2956 Vorfälle mit Bären zu registrieren waren. Während man es in Österreich allenfalls mit der hoch neurotischen Spezies des Problembären zu tun bekommt, und da auch noch häufiger in den Feuilletons als in den Wäldern, ist mit japanischen Schwarzbären dem Vernehmen nach nicht gut Kirschen essen. In den Präfekturen Nagano und Toyama töteten sie zwei Menschen. Ihre Kollegen von der Braunbärenfraktion verletzten auf Hokkaido zwei Menschen tödlich. Die meisten Menschen wurden beim Kräutersammeln oder während des Schwammerlsuchens attackiert oder im Randbereich von Siedlungen, wo ähnlich wie in Kanada Meinungsverschiedenheiten über den Offenbarungsgehalt von Mülltonnen handfest ausgetragen werden. Da die Bären für ihren Wintervorrat zu sammeln schon des längeren die Saison eröffnet haben, dürfen weitere Übergriffe auf Feldfrüchte und eingelagerte Agrarprodukte befürchtet werden. Wiewohl die heurige Bärenjagdsaison offiziell erst am 15. November eingeläutet wird, wurden von den über 2900 in Vorfällen verwickelten Bären gemäß offizieller Angaben 2637 getötet. 319 Bären wurde nach “Umerziehungsmaßnahmen” wieder die Freiheit geschenkt. Mithilfe des Einsatzes von Pfeffersprays und anderer Methoden, über die sich der Bericht ausschweigt, sollte den Bären eingebläut werden, fürderhin einen Respektsabstand zu menschlichen Ansiedlungen zu wahren.

Quelle:
2,900 black bears captured since April. The Asahi Shimbun, 31.10.2006

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