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Eine Rose von Tokio

Mit dem Ableben von Iva Toguri D’Aquino dieser Tage in Chicago (USA), wird einmal mehr ein Schlaglicht auf das Los der Japanerinnen und Japaner in den Vereinigten Staaten zur Zeit des Zweiten Weltkriegs geworfen. Die Karriere, die Toguri Iva als “Tokio-Rose”, als anti-amerikanische Propagandistin für einen japanischen Radiosender gemacht hatte, und die ihr nach dem Krieg eine Verurteilung durch die Gerichtsbarkeit eintrug, lässt sich nur vor dem Hintergrund der Zeitläufte angemessen bewerten. Toguri Iva wurde 1916 in Los Angeles als Kind japanischer Immigranten geboren. Nach ihrem Studienabschluss an der Universität von Kalifornien einen Verwandtenbesuch absolvierend, konnte sie, da die Feindseligkeiten zwischen Japan und den USA eskalierten, Japan nicht mehr verlassen. In dem Bemühen sich mit Gelegenheitsarbeiten halbwegs über Wasser zu halten, schlitterte sie in die Mitwirkung am Propagandarundfunk mehr oder weniger hinein. Eine Untersuchung des FBI und der US-Army, inwieweit ihr (Mitwirkung an) Verbrechen gegen die USA vorgeworfen konnte, erbrachte keine relevanten Fakten. Dass Toguri Iva in Yokohama dennoch eine Gefängnisstrafe verbüßen musste, war, wie das erfolgreiche Betreiben ihrer Rehabilitierung ergab, gedungener Denunziation geschuldet. Toguri Iva war eine Zeitlang mit einem Portugiesen japanisch-portugiesischer Abstammung verheiratet. Sie verstarb unlängst im 90. Lebensjahr in den Vereinigten Staaten.

In den USA wurden Japanerinnen und Japaner nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs interniert und ihrer Rechte als Bürger der Vereinigten Staaten weitestgehend beraubt. Welche Blüten die anti-japanische Paranoia bis hin zu rassistischen Gewalttaten treiben konnte, wird unter anderem in dem US-amerikanischen Film “Bad Day at Black Rock” von John Sturges aus dem Jahr 1954 thematisiert.
Freilich waren die Japaner nicht die ersten Asiaten in den USA, denen Feindseligkeit entgegenschlug. Mit offenem Rassismus konfrontiert wurden immer wieder chinesische Immigranten, ohne deren Leistungen etwa der Eisenbahnbau nicht in dieser Schnelligkeit hätte realisiert werden können.

Quelle:
Woman convicted, pardoned for being ‚Tokyo Rose’ dies. The Japan Times, 28.09.2006

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