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Japan und Korea – gemeinsame Wurzeln?

Kaufen bei Amazon.deBei Amazon.de kaufenDie Konstruktion von Gleichheit und Differenz: Der Kolonialdiskurs einer gemeinsamen Abstammung von Japanern und Koreanern, 1910–1945 (Tübinger Reihe für Koreastudien) (Taschenbuch)

ISBN: 3862055612
ASIN: 3862055612
EAN: 9783862055616
Autor: Tobias Scholl
Erschienen bei: Iudicium
Erscheinungsdatum: 2017-12-08
Preis: EUR 38,00
in Partnerschaft mit Amazon.de

Buchtitel: Konstruktion von Gleichheit und Differenz. Der Kolonialdiskurs einer gemeinsamen Abstammung von Japanern und Koreanern, 1910 – 1945
(Tübinger Reihe für Koreastudien Band 2)
Autor: Tobias Scholl
Verlag, Erscheinungsjahr: Iudicium, 2018
ISBN 978-3-86205-561-6

Diese Studie ist gemäß der Darlegung ihres Verfassers eine überarbeitete Version seiner an der Eberhard Karls Universität Tübingen approbierten Dissertation. Im Identitätsdiskurs europäischer Zeitgenossenschaft kann ihre Lektüre manch erhellende Anregung bieten. Somit sei nicht nur der Fachmann und die Frau vom Fach auf sie verwiesen. Akademischen Arbeiten eignet mitunter ein Kollateralnutzen, der über den Rahmen einer oftmals hermetischen Rezeption hinausweist. Die Konstruktion von Zugehörigkeit ist Konjunkturen unterworfen und wie alle Gestaltungen gesellschaftlicher Wirklichkeit arbeiten sich diese unter zivilisierten Verhältnissen auf politischem Feld aneinander ab. Das bleibt für eine Gegenwart zu bedenken, die in übertriebener Bedachtsamkeit der Political Correctness Denkverbote erlässt und damit Habermas’ Ideal des herrschaftsfreien Diskurses unbedacht eine der Voraussetzungen entzieht. Ohne Dialektik läuft die Chose nicht, wie sich anhand der Folgeerscheinungen der Affinitätskonstruktionen zwischen Japan und Korea, die im meijizeitlichen Umbruch der japanischen Gesellschaft deutlich auf den Plan treten, zeigt. Denn es scheint, dass die Beweisführungen von Verwandtschaft und kulturellem Nahverhältnis beider Völker zunächst überwiegend von Japanern angeleiert werden – wobei man den Mythenschatz spezieller Lesart unterwirft und beispielsweise aus der Geschwisterbeziehung der japanischen Hauptgöttin und ihres ungestümen (koreanischen) Bruders eine realpolitisch relevante Analogie ableitet – von einer sich wandelnden Kolonialbehörde in Dienst genommen und schließlich dem Vergessen anheimgestellt werden (nach 1945). Koreaner, die ihrerseits die Konstruktionen zu adaptieren verstehen, sehen darin die Grundlage der De-Legitimierung ihrer Diskriminierung bestätigt, was abermals rückwirkend die restriktive Politik der „Kolonialherren“ irritieren muss. Tobias Scholl zeigt auf, welche Rolle in diesem Gedankengebäude des neuen Japan, das in Windeseile mit den Westmächten aufzuschließen gedenkt, eben diese als Manifestationen des anderen, ebenso wie China, dient, um die Besonderheit und also Unvergleichbarkeit der japanischen Ambition zu unterstreichen. Der Vereinnahmung Koreas für die gemeinsame (japanische) Sache in Abgrenzung zu China, spiegelt sich in einer sich davon absetzenden koreanischen Konstruktion wider, die ihr Gemeinsames in den mythischen Weiten der Mongolei verortet. In der Gegenwart hat sich der Motor des Diskurses, der Verbindungslinien zwischen Japan und Korea in einem Ursprung verankert, von den japanischen Inseln eher auf die geteilte Halbinsel verlagert und dort naturgemäß auf den Süden, wie sich anhand der Debatten, die zur Zeit der gemeinsam ausgetragenen Fußballweltmeisterschaft entstanden, ablesen lässt und jener bemerkenswerten Worte des Tennōs, die in einer Grußbotschaft auf koreanische Linien des Kaiserhauses rekurrierten. Eine Botschaft, die indes in Korea eine andere Aufnahme erfahren hat als in Japan selbst. Vielleicht helfen ja kommende Erkenntnisse aus den Bereichen der Archäologie einen von ideologiefreier Wissenschaftlichkeit getragenen, gleichsam die Öffentlichkeit befeuernden Austausch zu führen. Begleitete diesen eine Tagespolitik, der es gelänge die Schatten der Vergangenheit zu überspielen, so fände sich doch tatsächlich ein Anstoß auch für den Rest der Welt, das Gemeinsame vor das Trennende zu stellen und ein Beitrag wäre erbracht dafür, was Kant in seiner Schrift „Zum ewigen Frieden“ als dessen Voraussetzung darlegt, nämlich die Unerlässlichkeit, ihn täglich neu zu stiften.

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